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Unsere Antwort auf die Stellungnahme der Stadt

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Sehr geehrter Herr Odszuck, sehr geehrte Stadtverordnete der Stadt Kronberg

Kronberg, 28. Juni 2015

 

 

 

vielen Dank für Ihre ausführliche Stellungnahme. Wir haben uns mit unserem Brief bewusst an die politischen Entscheidungsträger der Stadt gewandt und mittlerweile durch konstruktive Gespräche und intensiven Gedankenaustausch erlebt, dass unsere Faktensammlung auf großes Interesse bei einigen Stadtverordneten gestoßen ist.

 

Da einige Ihrer Aussagen einer Klarstellung bedürfen, möchten wir hierzu folgende Erläuterungen geben:

 

  • Die aktuelle Studie der HessenAgentur belegt, dass Kronberg nicht schrumpft, ist sehr wohl belastbar und bildet vor allem die aktuellste verfügbare Datengrundlage. Die von Ihnen als verfälschender Einmaleffekt der letzten 3 Jahre dargestellte Gewinnung von Erstwohnsitzen geht aufgrund der Betrachtung des Durchschnitts der vergangenen 10 Jahre nur relativ schwach in die Berechnungen ein. Andere von Ihnen genannte Studien basieren ebenfalls auf den Daten der HessenAgentur und sollten daher nur aktualisiert verwendet werden. Ergo: Die Einwohnerzahl von Kronberg wird voraussichtlich nicht sinken! Es besteht aus dieser Sicht kein Handlungsbedarf in der von Ihnen gewünschten Größenordnung (derzeit rd. 100 Wohneinheiten im Gebiet Schillergärten und Gleis 3 sowie bis zu 600 Wohneinheiten im Gebiet Grüner Weg).

 

  • Die von der Stadt als Begründung für die Bauprojekte angeführte (aber veraltete) Studie des IWU trennt bewusst zwischen Wohnheimplätzen (rechnerischer Bedarf: 260) und Wohneinheiten (rechnerischer Bedarf: 96). In den aktuellen Bauvorhaben sind jedoch bis heute keine Wohnheimplätze (in der Regel für Senioren) vorgesehen. Stattdessen übertrifft bereits die geplante Bebauung am Bahnhof die lt. Studie bis 2030 zu realisierenden 96 Wohneinheiten – ohne die schon entstandenen zusätzlichen rd. 74 Wohneinheiten in den neuen Wohngebieten Am Henker und Haide Süd zu betrachten –schafft jedoch keinen einzigen Wohnheimplatz. Ergo: Die Bebauung am Bahnhof ist überdimensioniert und vernachlässigt die Forderung nach Wohnheimplätzen für Senioren!

 

  • Die Studie des IWU berechnet außerdem, dass 168 Wohneinheiten als Ersatzbedarf notwendig werden. Wenn Sie als Stadtverwaltung den Wiederaufbau von Wohneinheiten ermöglichen, die nach Abriss vorhandener Wohnhäuser auf die geänderten Bedürfnisse der Bevölkerung eingehen (z.B. mehr Wohnraum pro Bewohner oder mehr Wohneinheiten) , dann könnten aus den abgerissenen Wohneinheiten der Nachfrage entsprechend „passende“ Wohneinheiten auf derselben Fläche entstehen. Ergo: Der Gestaltungswille der Stadt könnte sich auch auf die nachhaltige Weiterentwicklung von Bestandswohnflächen fokussieren, anstatt das Stadtbild durch unnötige Verdichtung zu beeinträchtigen. Wir würden dies sehr begrüßen!

 

  • In unserem Schreiben haben wir darauf hingewiesen, dass Kronberg laut den Prognosen für junge Familien (30-40jährige) weiterhin relativ attraktiv bleibt. Sie haben dankenswerterweise eine Tabelle mit Daten des Hochtaunuskreises aus 2014 beigefügt, die genau das belegt, was wir anführen: Am stärksten schrumpfen wird nämlich die Bevölkerungsgruppe der 40-50Jährigen, während die Gruppe der 20-30Jährigen sogar wächst. Ergo: Für junge Familien bleibt Kronberg in der Familiengründungsphase weiterhin attraktiv, während wir eher darum besorgt sein müssen, die Gruppe der 40-50Jährigen in Kronberg zu halten. Frage: Wie wollen Sie den Bedarf dieser Bevölkerungsgruppe, die in der Regel eher Einfamilien-/Doppelhäuser nachfragt, durch die Schaffung von Geschosswohnungsbau am Bahnhof und weiteren Planungsgebieten decken?

 

  • Wir haben in unserem Brief darauf hingewiesen, dass die städtischen Folgekosten (Kindergartenplätze, Verkehrsregelung etc.) der Bebauung mit vielen kleineren Wohneinheiten relativ gesehen deutlich höher sind als bei einer Bebauung mit einer verminderten Anzahl von Wohneinheiten oder Reihen-/ Doppelhäusern. Sie verweisen darauf, dass eine Stadt sich nicht allein durch wirtschaftliche Überlegungen leiten lassen sollte. Dies unterstützen wir gerne. Allerdings sind wir der Meinung, dass sich eine Stadt, die trotz sehr hoher Pro-Kopf-Einnahmen kurz vor dem Rettungsschirm steht und über Jahre hinweg die Verschuldung erhöht hat, nicht erlauben sollte, die Allgemeinheit und den Haushalt mit diesen Mehrkosten zu belasten und zudem ihre hochwertigen Grundstücke stark subventioniert zu veräußern. Im Klartext: Die Folgekosten der geplanten Bebauung werden von den heutigen Bürgern der Stadt Kronberg und der nächsten Generation getragen.

 

  • Die Bürgerbeteiligung im Rahmen des Stadtentwicklungskonzepts (SEK) ist ein gewollter politischer Prozess. Diesen nun zu begrenzen auf die Möglichkeit, „Handlungsoptionen aufzuzeigen“, jedoch keine Meinungsbildung über den Bedarf an Wohnraum zuzulassen, entspricht nicht unserem Verständnis einer Bürgerbeteiligung. Viele Bürger Kronbergs investieren hier ihre Zeit und nehmen diese Verantwortung ernst. Sie möchten alternative Ideen zur Bebauung am Bahnhof, zu der Schaffung von Wohnraum für Senioren, Sozialhilfeempfänger und Bezieher mittlerer Einkommen entwickeln und damit für alle Seiten zu einem besseren Ergebnis kommen. Nehmen Sie bitte auch die Meinung dieser Bürger ernst! Auch sie sind es, die in den anstehenden Wahlen über die Weiterentwicklung Kronbergs entscheiden werden.

 

Bisher wurde Ihre These, dass sich das soziale Gefüge in Kronberg verschiebe, noch nicht mit Fakten belegt. Angesichts der Bevölkerungsentwicklung darf dies zudem zunächst bezweifelt werden. Teilt man Ihre Schlussfolgerung aus den Bundestrends (die für Kronberg nicht unbedingt gelten müssen), dass immer mehr Wohnfläche pro Person benötigt werde und deswegen in Kronberg gebaut werden müsse, dann sollte gemäß den Prognosen der Bevölkerungsentwicklung für Senioren und ältere Familien gebaut werden. Ihre derzeitigen Vorhaben gehen eindeutig in eine andere Richtung, und werden die bestehende soziale Vielfalt in eine andere Richtung verschieben.

 

Wir haben keineswegs nur den Bau von Einfamilienhäusern (sprich: Villen für „Betuchte“) gefordert, wie Sie es uns unterstellen wollen, sondern vielmehr dafür plädiert, dass sich das „Ob“ und sodann auch das „Wie“ einer Bebauung an den genannten Zielen der Stadt orientieren muss.

 

Die Strategischen Ziele Kronbergs („Strategische Ziele K2020“) wurden wie folgt festgeschrieben

  • primär die Konsolidierung des städtischen Haushalts,

  • den Standort Kronberg im Sinn der Nachhaltigkeit stärken,

  • das Kronberger Landschaftsbild als wesentlicher, identitätsstiftender Aspekt ist hierbei handlungsleitend, soll bewahrt und zur Geltung gebracht werden,

  • ein sparsamer und verantwortlicher Umgang mit der Ressource Boden ist zu gewährleisten,

  • die Alleinstellungsmerkmale aus den Bereichen „Kultur und Natur“ sind sowohl als Standortfaktor als auch für die gesellschaftliche Wertigkeit der Stadt in der Region zu sichern und zu nutzen,

  • Die Bevölkerungszahlen sind in einem sozialen Gleichgewicht zu stabilisieren

 

Sehr geehrter Herr Odszuck, sehr geehrte Stadtverordnete, wir engagieren uns aus der Überzeugung heraus, dass Kronberg ein wunderschöner Ort zum Leben, Arbeiten und Besuchen ist, den wir gerne erhalten und durch maßvolle Bebauung unter Beachtung unser aller gesellschaftlich-ökonomischer Verantwortung für die nächsten Generationen zukunftsfähig machen wollen. Wir wollen keine Konfrontation, sondern ehrlichen und faktenbasierten Austausch jenseits kurzfristiger politischer Überlegungen und Investorenwünsche. Deswegen möchten wir gerne den persönlichen Dialog mit Ihnen weiter führen und verweisen im Übrigen auf www.perspektiven-kronberg.de.

 

Mit freundlichen Grüßen,

gez. Dr. Ulrike Aussem Dr. Volker Balda  |  Johanna Beecken  |  Peter Behncke  |  Dr. Lutz Blank  |  Birgit Korte-Blank  |  Dr. Jochen Eichhorn  |  Susanne v. Engelhardt Oliver Fuchs  |  Amelie v. Grolman  |  Berthold Hackl  |  Catherine Hackl  |  Michael Haug  |  Günther Kruse  |  Brigitte Pampel  |  Dr. Tom Oliver Schorling  |  Andreas Sieler  |  Gereon Stegmann  |  Dr. Marc D. Voss  |